Anstand, Fairness, Respekt – nur wo es der Telekom passt?

23. August 2013: Dies ist ein Artikel aus der aktuellen „KOMM“, das ver.di-Magazin für die Branchen Telekommunikation und Informationstechnologie.

Alle Bemühungen, die Kündigung von TU Mitglied Josh Coleman, die offenkundig wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten und nicht, wie offiziell behauptet, wegen fehlerhafter Leistungen erfolgte, rückgängig zu machen, waren bisher erfolglos.

Rechtliche Schritte gegen eine Kündigung in den USA sind fast alle ohne jedwede Erfolgsaussichten, da das amerikanische Arbeitsrecht Beschäftigte benachteiligt. Auch die Fusion der T-Mobile USA mit der MetroPCS änderte das Verhalten nicht. Viele deutsche Beschäftigte, ver.di-Mitglieder, Betriebsräte und Vertrauensleute haben sich mit Josh solidarisch erklärt. Von ver.di wird derzeit ein Aktionstag „Josh“ vorbereitet.

Im Nachgang zum Besuch der Delegation fanden weitere Gespräche von ver.di und der Communications Workers of America (CWA) mit deutschen Politikern statt. Dabei wurde die Situation in den USA dargestellt. Beate Müller-Gemmeke (Grüne), Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, hinterfragte im Gespräch mit Catharina Schmalstieg (CWA) und Ado Wilhelm (ver.di), Koordinatoren der Kampagne WE EXPECT BETTER, konkret die Situation in den USA und sagte Unterstützung zu. So entstand die Idee, über die Fraktionsgrenzen im Bundestag hinaus, gemeinsam auf den Konzernvorstand einzuwirken.

Unter der Federführung von Beate Müller-Gemmeke werden entsprechende Aktivitäten organisiert. Auch der SPD-Abgeordnete Klaus Barthel, Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels in der SPD, unterstützt die Kampagne. Klaus Barthel hatte sich im vergangenen Jahr mehrere Tage, zusammen mit einer ver.di-Delegation, in den USA aufgehalten und sich in vielen Gesprächen mit Beschäftigten der T-Mobile USA ein Bild machen können.

Wegen der Verstöße gegen OECD-Leitsätze hatten ver.di und die CWA im Juli 2011 Beschwerden bei den zuständigen Stellen in Deutschland und in den USA eingereicht. Darüber hatten wir mehrfach berichtet.

Die Nationale Kontaktstelle (NKS), angesiedelt beim US-Außenministerium, hatte ein Mediationsverfahren vorgeschlagen. Leider musste die NKS im Juli mitteilen, dass sie sich nicht in der Lage sieht, diesen Weg weiter zu verfolgen. Grund: Die Telekom war und ist nicht bereit, konstruktiv mitzuarbeiten.

Mehrfach haben wir auch über Partnerschaften zwischen Beschäftigten deutscher und amerikanischer Betriebe berichtet. Im
Bereich der Call-Center existieren vier funktionierende Partnerschaften, eine fünfte wird gerade vorbereitet. Auch bei Shops und im Bereich der Technik stehen Partnerschaften kurz bevor. Ende August steht ein erster Besuch von deutschen Shop-Gewerkschaftern an der amerikanischen Ostküste an.

Nach der Fusion mit MetroPCS gibt es auch bereits erste sehr viel versprechende Kontakte zu Beschäftigten von MetroPCS Shops, jetzt T-Mobile, die großes Interesse dran haben, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Techniker aus Deutschland warten jetzt auf ihre ersten Kontakte mit den amerikanischen Technikern. Im Bereich der Technik war es im vergangenen Jahr in einem kleinen Bereich (Connecticut) gelungen, nach einer erfolgreichen Abstimmung für die Anerkennung einer Gewerkschaft, erstmals einen Tarifvertrag zu schließen.

Die internationale Kampagne WE EXPECT BETTER wird erst dann enden, wenn die Beschäftigten der T-Mobile USA ungehindert und offen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, für Gewerkschaft und für rbeitnehmerrechte eintreten können, wenn es eine „Stimme im Betrieb“ gibt.
Der designierte Vorstandsvorsitzende der Telekom, Timotheus Höttges, bereits jetzt im Konzernvorstand für die T-Mobile USA zuständig, sollte endlich die Verweigerungshaltung zu Gesprächen mit der Führung der
CWA aufgeben.

Ado Wilhelm

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