Bericht über Deutschen Telekom verschweigt Gewerkschaftsfeindlichkeit in den USA

6. Juli 2011: Der gestern veröffentlichte Jahresbericht der Deutschen Telekom über die soziale Verantwortung des Unternehmens verschweigt dessen aggressive gewerkschaftsfeindliche Kampagne in den Niederlassungen seiner US-Tochter T-Mobile USA. Damit wird der Führungsanspruch der Deutschen Telekom auf dem Gebiet der sozialen bzw. gesellschaftlichen Verantwortung untergraben.

In dem Bericht heißt es, dass die Deutsche Telekom den Normen der IAO, der OECD und des Globalen Paktes der Uno verpflichtet sei. Nicht erwähnt werden jedoch die Probleme seiner zahlreichen Beschäftigten in den USA, denen das Unternehmen einen Gewerkschaftsbeitritt verweigern will.

Deutschland hat sich im Rahmen der G20 und anderswo nachdrücklich für die Normen der IAO ausgesprochen, aber hier haben wir es mit einem Unternehmen zu tun, dessen größter Anteilseigner die deutsche Bundesregierung ist und das in seinen US-Niederlassungen entschieden und bewusst gegen genau diese Normen verstößt ", stellte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow fest.

Die Geschäftsführung von T-Mobile USA hat mit Unterstützung des deutschen Stammunternehmens auf die Zerschlagung von Gewerkschaften spezialisierte Anwälte eingeschaltet, um eine Vertretung seiner Beschäftigten durch die Kommunikationsarbeitergewerkschaft CWA zu verhindern. Auf der Internetseite einer der Firmen heißt es unverhohlen, dass die „Vermeidung von Gewerkschaften“ eine ihrer Spezialitäten sei, wobei T-Mobile als „regelmäßiger Kunde“ erwähnt wird.

Das Unternehmen hat eine Reihe juristischer Taktiken angewandt, um auf die Anerkennung von Gewerkschaften abzielende Abstimmungsverfahren bei der nationalen Arbeitsbeziehungsbehörde der USA (NLRB) zu verzögern oder zu vereiteln, anstatt die Wünsche der Beschäftigten zu akzeptieren, wie es das US-Gesetz vorsieht. Darüber hinaus wurden einzelne Gruppen von Beschäftigten, zuletzt in Connecticut und New York, verpflichtet, an geschlossenen Sitzungen mit der Betriebsleitung teilzunehmen, bei denen sie dazu veranlasst werden sollten, ihre Forderung nach einem Gewerkschaftsbeitritt aufzugeben. Die Bemühungen der CWA gegenüber der Betriebsleitung von T-Mobile um die Einstellung der gewerkschaftsfeindlichen Kampagne waren bisher ergebnislos, ebenso wie die Diskussionen mit dem deutschen Stammunternehmen.

„Ich war bei den Beschäftigten von T-Mobile USA auf Long Island, als sie ihre Gewerkschaftskarten unterschrieben haben“, berichtet UNI-Generalsekretär Philip Jennings. „Wenn diese Beschäftigten in Deutschland gewesen wären, wären sie automatisch Gewerkschaftsmitglied geworden, aber die Betriebsleitung von T-Mobile USA hat eine brutale Einschüchterungskampagne begonnen, um die Gewerkschaft aus dem Betrieb herauszuhalten und zu verhindern, dass die Beschäftigten für ihre Rechte kämpfen.“

Eine Gewerkschaftsvertretung kommt in den USA erst dann zustande, wenn sich die Mehrheit der Beschäftigten eines bestimmten Betriebes dafür ausspricht. Danach können die Arbeitgeber die Gewerkschaft freiwillig anerkennen oder auf einer von der NLRB überwachten geheimen Urabstimmung bestehen. Die NLRB hat kürzlich eine Straffung der Verfahren angekündigt, um genau die Art von Taktiken zu vermeiden, wie T-Mobile sie anwendet.

„T-Mobile greift auf juristische Manöver zurück, um eine Urabstimmung hinauszuzögern und seinen Experten mehr Zeit zu geben, um die Beschäftigten derart einzuschüchtern, dass sie auf einen Gewerkschaftsbeitritt verzichten. Die Deutsche Telekom hat beschlossen, sich hinter den klaren Verstoß internationaler Normen der Vereinigungsfreiheit durch seine US-Tochter zu stellen. Wir erwarten Besseres von so einem wichtigen globalen Akteur“, erklärte Burrow.

UNI Global Union, der internationale Berufsverband für den privaten Dienstleistungssektor, und der IGB haben sich mit der CWA, der deutschen Gewerkschaft ver.di und anderen Gewerkschaften, die Beschäftigte von T-Mobile in aller Welt vertreten, zusammengetan, um dafür zu sorgen, dass das Stammunternehmen, die Deutsche Telekom, die Arbeitnehmerrechte in all seinen Niederlassungen respektiert.

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