Beschäftigte für gewerkschaftliche Interessenvertretung - Anerkennung durch T-Mobile USA verwehrt!

15. August 2013: Beschäftigte von Metro PCS / T-Mobile US haben in New York City ihren Willen zum Ausdruck gebracht, ihren Rechten als ArbeitnehmerInnen zusammen mit der Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) Geltung zu verschaffen. Bei der Auszählung der Stimmzettel war ein Senator des Bundesstaats New York anwesend, um die korrekte Durchführung der Auszählung zu gewährleisten. Die Beschäftigten stimmten für die Einsetzung einer Gewerkschaft! Doch T-Mobile USA weigert sich, die Gewerkschaft als Verhandlungspartner zu akzeptieren.

Gewerkschaft als „Störung des Geschäftsablaufs“?

Einen Geschmack von der Kultur der Angst, der sich die Beschäftigten täglich ausgesetzt sehen, bekam der Senator als er der Store-Managerin das Auszählungsergebnis bekannt geben und um die Weiterleitung der Ergebnisse bitten wollte. Die Verkaufsleiterin ließ kein Gespräch zu und drohte dem Politiker damit, die Polizei zu rufen, sollte er nicht „verschwinden“, er „störe den Geschäftsablauf“. Die Polizei, die kurze Zeit später kam, staunte nicht schlecht, dass die Managerin dem bekannten Politiker das Gespräch verweigert und stattdessenwohl sie herbeigerufen hatte. Trotz dieser Widrigkeiten freuen sich die Beschäftigten über ihren Erfolg und werden ihr Ziel weiter verfolgen.

Beschäftigte wollen Stimme im Betrieb

Der erste Schritt zur Begrenzung unternehmerischer Willkürentscheidungen ist getan. Die Beschäftigten stimmten für eine gewerkschaftliche Vertretung an ihrem Arbeitsplatz. Der Weg zur Mitbestimmung könnte hiermit abgeschlossen sein und Gespräche könnten beginnen, wenn T-Mobile USA das Ergebnis anerkennt. Doch weit gefehlt.

Anders als in Deutschland muss in den USA das Kollektivvertretungsrecht, das Recht mittels einer Gewerkschaft Arbeitnehmerrechte durchzusetzen und Tarifverträge auszuhandeln, von Betriebsstätte zu Betriebsstätte errungen werden. Branchenweite Flächentarifverträge, bzw. Haustarifverträge wie bei der Telekom, wie wir sie in Deutschland kennen – auch wenn sie hier immer mehr unter Druck gesetzt werden –, sind in den USA ein weit entferntes Traumziel der Gewerkschaften. Eine Anerkennung der Gewerkschaft durch das Unternehmen ist in den USA rechtlich zwar möglich, aber es setzt den guten Willen des Unternehmens voraus. Eine rechtsmäßige Anerkennung gegen den Willen des Unternehmens ist hingegen nur durch ein Wahlverfahren unter Aufsicht der Regierungsbehörde für Arbeitsrechtsfragen (NLRB: National Labor Relations Board) zu erreichen.

Die Hoffnung auf eine schnelle Anerkennung hat der Unternehmensvorstand schnell zum Erlöschen gebracht, denn bereits diese Woche ließ der Personalchef der T- Mobile USA, Larry Myers, die CWA wissen, dass den Beschäftigen eine „Wahl unter Aufsicht einer Regierungsbehörde“ zustehe. Damit zeigt T-Mobile USA, dass der Wille des Vorstands, in den USA mit einer Gewerkschaft zu kooperieren, nicht vorhanden ist.

Wohin geht der Weg?

Die Deutsche Telekom AG (DTAG) ist mit 74 Prozent der Aktien Mehrheitseigentümerin von T-Mobile US. Doch weit gefehlt, dass die guten Arbeitsbeziehungen von Gewerkschaft und Unternehmen auch in den USA gelten. Die Telekomleitung in Deutschland wirbt damit, dass sie die Vereinigungsfreiheit ihrer Beschäftigten respektiert – in ihrer Sozialcharta führt sie dieses Grundrecht der Arbeitnehmer sogar als ethischen Grundstandard des Unternehmens an. Doch T-Mobile USA weigert sich beharrlich, den Willen ihrer Angestellten zu respektieren und die Gewerkschaft als Verhandlungspartner anzuerkennen. Wie passt das zusammen? Warum verhält sich das Unternehmen in den USA derart gewerkschaftsfeindlich? Wieso folgt T-Mobile US nicht dem Beispiel des nordamerikanischen Branchenprimus AT&T, der seit Jahren erfolgreich mit der Gewerkschaft CWA zusammenarbeitet? Verfolgt der Weltkonzern etwa eine Strategie, die Standards zu senken, um die Umsatzergebnisse zu erhöhen? Das wäre kein Handeln auf lange Sicht!

Im Bild: Senator Perkins erklärt den Polizisten, dass die Beschäftigten eine gewerkschaftliche Interessenvertretung wollen und er anwesend ist, um sie bei der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen.