Callcenter-Beschäftigte enthüllen Doppelmoral der Deutschen Telekom

22. Februar 2013: Callcenter-Beschäftigte von T-Mobile USA sagten am 16. Februar in Charleston, South Carolina, im Rahmen einer internationalen Anhörung aus und deckten gravierende Unterschiede zwischen den in den USA und in Deutschland herrschenden Arbeitsbedingungen auf.

Die Anhörung bildete den Abschluss einer einwöchigen Reise von in ver.di organisierten Beschäftigten eines Berliner Callcenters, die sich über die Arbeit ihrer Kollegen in South Carolina informieren wollten.

In Deutschland verhandelt die Deutsche Telekom mit ver.di über die Arbeitsbedingungen. Die gewerkschaftliche Vertretung ist dabei ein Schlüsselelement der Unternehmenskultur. In den USA erlaubt das Management jedoch diese Vorgehensweise nicht.

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes, sagte, dass der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom René Obermann und die deutsche Regierung auf die Beschäftigten hören müssten und dass es in ihrer Verantwortung läge, die Missstände in dem Unternehmen zu beenden.

„Es gibt Unternehmen, die in Europa respektiert werden und die sich hier in den USA als schlechte Arbeitgeber aufführen. Die deutsche Öffentlichkeit muss wissen, was mit den Beschäftigten in den USA passiert. Sie wären entsetzt, wenn sie wüssten, dass das Unternehmen, auf das sie so stolz sind, das einen deutschen Namen trägt, die Arbeiter einschüchtert und ihnen Angst macht. Unsere Botschaft an T-Mobile ist: Wir erwarten Besseres von T-Mobile. Die Geltung von Arbeitsrechten endet nicht an der deutschen Grenze, sie gelten für alle Menschen“, sagte Sharan Burrow.

„Beschäftigte, die in einem Unternehmen die gleiche Arbeit ausführen, verdienen es auch, in gleicher Weise behandelt zu werden. Warum sehen sich die Beschäftigten in den USA Drohungen und Einschüchterungen ausgesetzt, während andere in Deutschland mit der Unternehmensleitung an einem Tisch sitzen?“, sagte Larry Cohen, Präsident der Communications Workers of America.

Zu den brutalen Vorgehensweisen der Unternehmensleitung in den USA gehörte es unter anderem, Beschäftigte zu zwingen, eine Eselskappe zu tragen, wenn die Leistungsvorgaben nicht erreicht wurden.

Die Beschäftigten sprachen über die Kultur der Angst und des Drucks, dem sie ausgesetzt waren. So mussten unter anderem Anrufe von T-Mobile-Kunden ständig unter enormem Zeitdruck abgewickelt werden. Felicia Smalls, eine Callcenter-Beschäftigte aus Charleston, berichtete vor dem Ausschuss: „Ich möchte meine Arbeit behalten und die Arbeitsbedingungen verbessern“.

Das Management des multinationalen Unternehmens hindert die Beschäftigten daran, sich gemeinsam zu organisieren, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Arbeitsplätze in den USA zu halten.

Tomas Lenk, ver.di-Mitglied aus Berlin und Teilnehmer der deutschen Delegation, sagte: „Wir haben zahlreiche Geschichten über die Missachtung der Rechte der Beschäftigten bei T-Mobile gesammelt und werden diese an das für Personal zuständige Vorstandmitglied im Telekom Konzern weiterleiten. ver.di wurde schon oft vom Management in Deutschland auf Vorwürfe zu ähnlichen Sachverhalten geantwortet, dass es sich um Einzelfälle gehandelt habe und dass die Praktiken eingestellt worden seien. In den in dieser Woche von uns in Charleston geführten Gesprächen haben wir Informationen aus erster Hand erhalten. Diese stehen in starkem Widerspruch zu den Darstellungen der Deutschen Telekom. Sie mögen den Beschäftigten der T- Mobile USA erzählen, dass wir nicht gewerkschaftlich organisiert sind, aber wir sagen, dass zwei Millionen ver.di-Mitglieder auch für die Interessen der US- Kollegen eintreten und diese unterstützen“.

Philip Jennings, Generalsekretär von UNI Global Union, sagte: „Beschäftigte von T-Mobile haben in Charleston berichtet. Sie sind nicht bereit, im weltweiten Netzwerk der Deutschen Telekom als zweitklassige Bürger behandelt zu werden. Die Deutsche Telekom muss ihrer Verantwortung gerecht werden und ihre Geschäftspraktiken ändern. UNI und die weltweite Gewerkschaftsbewegung verlangen, dass die Deutsche Telekom jetzt handelt“.

Dem international zusammengesetzten Gremium gehörten politische, religiöse und Führungskräfte der Arbeiterbewegung an, unter ihnen James Clyburne, Mitglied des US-Kongresses, Larry Cohen, Präsident der Communications Workers of America, Sharan Burrow, Generalsekretärin des IGB und Pastor John Paul Brown.

Die weltweite Kampagne „Wir erwarten Besseres“ wird im Bundestagswahljahr 2013 unter anderem mit politischem Druck auf den größten Anteilseigner der Deutschen Telekom, die deutsche Regierung, sowie mit weiteren Partnerschaftsbesuchen mit deutschen und US-Kollegen fortgeführt.