Die Telekom und ihr fieses Spiel im Ausland (*)

24. November 2014: Neben den Problemen mit Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechtenin den USA, gibt es auch aus vielen anderen Ländern Klagen über das Verhalten der Telekom.

Während im Zuge der Globalisierung Waren- und Kapitalverkehr zunehmend ungehindert fließen können, Produktionsströme und Dienstleistungen weltweit immer stärker miteinander verflochten sind, werden Arbeitsbedingungen und Rechte der Beschäftigten in unterschiedlichen Ländern häufig noch immer mit zweierlei Maß gemessen: Was Gewerkschaften und Beschäftigte etwa in Deutschland erkämpft haben, gilt noch lange nicht bei ausländischen Beteiligungen oder Töchtern deutscher Konzerne. So auch bei der Telekom.

Die Träger der Kampagne WE EXPECT BETTER unterstützen auch in anderen Ländern die dortigen Gewerkschaften bei deren Kampf gegen die Telekom. Insbesondere in den Ländern in Südost-Europa wird darüber geklagt, wie mit Beschäftigten und Gewerkschaften umgegangen wird.

Treffen Gewerkschaftsallianz

Ende Oktober 2014 fand in der rumänischen Hauptstadt Bukarest das Jahrestreffen der dortigen Gewerkschaften unter Federführung der UNI Global Union (UNI) mit Unterstützung vom ver.di-Fachbereich TK/IT und der amerikanischen Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) statt. Ein Dutzend Gewerkschaften aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Montenegro, Rumänien, Serbien und den Vereinigten Staaten nahmen zusammen mit der UNI Global Union an der Veranstaltung teil.

Nach dem Treffen der Allianz im Jahr 2013 wurde in Deutschland ein „Schwarzbuch Telekom“ veröffentlicht, das die Vielzahl der Verstöße dokumentierte. Hauptsächlich beklagt wurde, dass in hohem Maße Arbeitsplätze abgebaut und ältere Beschäftigte entlassen wurden, um danach billigere Arbeitskräfte, häufig Student/-innen, sowie Leih- und Zeitarbeitnehmer/- innen einzustellen. Weitere große Themen waren Sparmaßnahmen, Verschlechterung der Bezahlung von Beschäftigten, Outsourcing und Vergabe von Arbeiten an externe Dienstleister und – ebenso wie in den USA – die Verletzung von Arbeitnehmerrechten und internationalen Arbeitsstandards.

Die Telekom wies alle Vorwürfe zurück. Wo schlechtere Gesetze für Beschäftigte und Gewerkschaften gelten, nutzt das Unternehmen seine Macht offenbar schamlos aus.

One Telekom Europe – One Gewerkschaftsallianz Global

„One Telekom Europa“, so das vom Telekom-CEO Timotheus Höttges propagierte Ziel. Offenbar gehört auch dazu, in Ländern mit weniger guten Rechten und Gesetzen Absenkungen jeglicher Art auszuprobieren. Beispiel: Es wird ausprobiert, Call-Center mit mehr Aushilfen, Studierenden und Teilzeitkräften zu betreiben. Wenn das in Kroatien klappt, kann man ja versuchen, sowas auch in Deutschland oder Österreich zu machen. Natürlich ist es in Deutschland nicht so einfach möglich, da die ver.di-Tarifverträge dies so nicht zulassen und die starken Betriebsräteund Arbeitnehmervertreter/-innen in den Aufsichtsräten bessere Instrumente zur Hand haben als in den vorgenannten Ländern.

Aber: Um Druck aufzubauen, müssen solche Bedrohungsszenarien seit Jahren in vielen Tarifverhandlungen, auch hier in Deutschland, herhalten. Dagegen gilt es sich zu wehren. Wenn ver.di die Beschäftigten und die Gewerkschaften in anderen Ländern unterstützt, dann dient das auch dem Schutz der deutschen Belegschaften.
Die Gewerkschaften und damit die Belegschaften in den anderen Ländern brauchen, wegen der minderen Rechte und Durchsetzungsmöglichkeiten, die Unterstützung von ver.di und der Dachorganisation UNI. Nach wie vor gibt es kein globales Rahmenabkommen zur Beschreibung internationaler Standards und der Festlegung von Mindestnormen, was Arbeitnehmerrechte angeht.

Anders als andere renommierte, international tätige Unternehmen tut sich die Telekom auch hier negativ hervor. Die im Jahr 2005 aufgenommenen Verhandlungen zu einem „Global Agreement“ wurden Ende 2012 auf „Eis gelegt“. Die Telekom war nicht bereit, ein globales Abkommen zu schließen, das auch für den Bereich der T-Mobile US gelten sollte.

Die Beschäftigten brauchen starke gewerkschaftliche Allianzen, um dem Druck auf und der Unterbietung von Konditionen sicher gegenüber treten zu können. Die Antwort auf „One Telekom Europa“ muss eine starke Allianz aus allen Gewerkschaften in den Ländern sein, wo die Telekom agiert. ver.di und der UNI kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

(Ado Wilhelm)

(*) Bei diesem Beitrag handelt es sich um die bearbeitete Fassung des Artikels „Fieses Spiel“ im Ausland, der in der vom ver.di-Fachbereich TK/IT herausgegebenen Zeitschrift KOMM 8/2014 erschienen ist.

Foto: UNI Global Union