Historischer Abschluss: Erster Tarifvertrag bei T-Mobile USA

7. August 2012: Fast ein Jahr lang dauerten die Tarifverhandlungen für die 16 Techniker in Connecticut. Nun ist ein Vertrag unter Dach und Fach. Die Betriebseinheit hatte sich mehrheitlich und mutig entschlossen, für ihren Betrieb eine Gewerkschaft zu gründen. Gegen den erbitterten Widerstand des Managements der T-Mobile USA gelang die Anerkennung der Communications Workers of America (CWA) als ihre gewerkschaftliche Vertretung. Von Ado Wilhelm.

Das Risiko für die Beschäftigten war groß. Sie mussten mit Sanktionen bis hin zur Entlassung rechnen. Natürlich nicht offiziell wegen der Gründung einer Gewerkschaft, meist werden andere Gründe vorgeschoben.

Obwohl die Existenz der Beschäftigten und deren Familien ständig bedroht waren, haben sie sich entschieden, ihre Abteilung zu organisieren und sich trotz des langen Prozesses nicht davon abbringen lassen.
Die Verhandlungen standen ständig auf „des Messers Schneide“, drohten immer wieder an der starren Verweigerungshaltung des Managements zu scheitern.

Das Unternehmen scheute keine Kosten und Mühen. Mit Unterstützung eines Anwaltes, der im Internet damit wirbt, Spezialist für Gewerkschaftsverhinderung zu sein wurden die Verhandlungen immer wieder an den Rand des Scheiterns gebracht. Nicht die T-Mobile Manager führten die Verhandlungen, sondern der Anwalt.

Eine von der CWA vorgenommene Gegenüberstellung kommt zu dem Ergebnis, dass die Ausgaben für den Anwalt insgesamt höher waren als die Kosten für die Erfüllung der Maximalforderung von T-Mobile Beschäftigten und CWA. Ein klarer Beleg dafür, worum es hier eigentlich ging: Verhinderung.

Keine Verhandlung auf Augenhöhe, sondern Arbeitgeberwillkür und nur minimale Bereitschaft, sich auf gewerkschaftliche Forderungen einzulassen. Das jetzige Ergebnis beinhaltet im Wesentlichen die folgenden Punkte:

“Just Cause” setzt Standards für Disziplinarmaßnahmen, Suspendierung und Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses.
Durch die “Just Cause”-Standards werden Beschäftigte, die von der Gewerkschaft vertreten werden, vor willkürlicher Disziplinierung geschützt und das Unternehmen zur Anerkennung von Standards verpflichtet, wenn es Aktivitäten gegen einen Beschäftigten vornehmen will, der unter den Vertrag fällt. Sie garantieren ein gewisses Maß an Jobsicherheit, weil das Unternehmen Entlassungen nicht mehr willkürlich vornehmen kann, sondern vereinbarten Regeln folgen muss.

  • Ein Beschwerde- und Schlichtungsverfahren ermöglicht, unfaire und ungerechte Aktivitäten des Unternehmens in Frage zu stellen und rückgängig zu machen sowie sicherzustellen, dass das Unternehmen den Vertrag einhält.
  • Schutz gegen die Auslagerung von Arbeit. Das Unternehmen wird keine Arbeit mit der Absicht auslagern können, die Techniker zu ersetzen oder diese Betriebseinheit zu schließen. Wenn durch unvorhergesehene und außergewöhnliche Umstände das Unternehmen Auslagerungen in Erwägung zieht und dadurch gewerkschaftliche Arbeitsplätze betroffen sein könnten, muss die Gewerkschaft vorher benachrichtigt und über Alternativen diskutiert werden.
  • Löhne und andere Leistungen sind identisch mit denen aller anderen Beschäftigten und können nur geändert werden, wenn diese auch für alle anderen geändert werden.

Gemessen an der Forderung scheint das Ergebnis auf den ersten Blick gering. Dennoch ist es ein großer Schritt im Kampf um Arbeitnehmerrechte und gewerkschaftliche Anerkennung. Darauf kann jetzt aufgebaut werden. Mit der Kraft, die von diesem ersten Tarifvertrag ausgeht, kann jetzt auch in anderen T-Mobile Betrieben, ob Technik, Call Center oder Shops, versucht werden, weitere Anerkennungsverfahren mutig anzugehen.