Mehr Rechte statt ständig wechselnder Visionen

13. Februar 2013: In jüngster Zeit haben sich die „Telekomchefs“ Obermann und Höttges, sowie der T- Mobile USA Boss Legere bei großen Zeitungen die Klinke in die Hand gegeben. Erst hat John Legere, seit September 2012 neuer Chef der T-Mobile USA, in der „Welt“ seine Visionen für das Unternehmen verkündet. Dann legten die Herren Obermann und Höttges im „Focus“ wenige Tage später nach.

Legere hat große Pläne. So soll T-Mobile USA in den nächsten Jahren zur Nummer drei auf dem US-Markt aufrücken. Hinderlich dürfte dabei derzeit noch die Unternehmensentwicklung sein: „Das US-Geschäft (hat) in den vergangenen drei, vier Jahren bei Umsatz und Kundenentwicklung nicht die Erwartungen erreicht“. Wie man dieses Problem löst? Das iPhone soll es richten. Der 2013 aus dem Unternehmen scheidende Obermann sekundiert: Wir wollen „jetzt MetroPCS übernehmen“. Und macht sich Hoffnung: „T-Mobile USA arbeitet profitabel und finanziert sich aus eigener Kraft“. Und dies obgleich, „das US-Geschäft ein schwieriges Unterfangen“ war und bleibt, so Höttges. Anders ausgedrückt: Wir wissen auch nicht recht, woran es hakt, sind aber guter Hoffnung...

Vielleicht hilft auch besserer Service? Bestimmt! Dafür müssen aber die Bedingungen stimmen. Bei T-Mobile stimmen jedoch viele Bedingungen nicht. So haben verdi-Kollegen während einer US-Reise im Januar erneut von Mitarbeiterinnen der T-Mobile hören müssen, dass die hehren Ansprüche der Telekom bei ihrer US-Mobilfunktochter kaum eingehalten werden: ständig wachsende Leistungsanforderungen erhöhen den Arbeitsdruck und machen es schwierig, dringend zur Bestreitung des Lebensunterhalts benötigte Boni zu erreichen und macht die Beschäftigten sehr häufig krank; es herrscht oft eine willkürliche Schichtvergabe, was Beruf und Familie schwierig vereinbar macht; in manchen Unternehmensteilen ist die Personalfluktuation sehr hoch; aus Angst vor Entlassung trauen sich Beschäftigte oftmals nicht, ihre Gewerkschaftsmitgliedschaft öffentlich zu machen; keine verbindlichen Urlaubsabsprachen; gestaffelte Schichten und Pausenzeiten verhindern, dass sich Kollegen austauschen; die Gewerkschaft hat keinen Zugang zu den Kollegen im Betrieb und kann so nicht effektiv die Interessen der Kollegen vertreten. Trotz solch widriger Umstände leisten die Beschäftigten tagtäglich guten Service. Würde man sie unter akzeptablen Bedingungen und ohne sie ständig mit Kündigung zu bedrohen ihre Arbeit machen lassen, könnte der Service noch sehr viel besser sein.

Die „Unternehmenschefs“ sollten Gewerkschaftsrechte für die Beschäftigten ermöglichen, auf deren Ideen hören, statt Gewerkschaftsvermeidungsanwälte zu beschäftigen und den Beschäftigten mit der Gewerkschaft CWA, eine Stimme im Betrieb ermöglichen. Zu Unternehmensverantwortung und guten Bedingungen für die ArbeitnehmerInnen, gehören auch Tarifverträge, sowie Mitspracherechte. Denn die Beschäftigten wissen, dass Kundenzufriedenheit und -bindung vor allem durch einen zuverlässigen Service zu erreichen ist. „We expect better“ macht sich dafür stark.