NLRB- Verfahren: Teilerfolge für Josh Coleman und Ellen Brackeen

14. Mai 2014:

T- Mobile muss an Josh mehr als ein Jahresgehalt zahlen. Allerdings, eine Weiterbeschäftigung war leider nicht durchsetzbar.

Die Sanktionen gegen Ellen müssen rückgängig gemacht werden.

T-Mobile musste im Fall des gekündigten Josh Coleman und der suspendierten Ellen Brackeen nach einem langen, für US Verhältnisse äußerst ungewöhnlichen Verfahren, einen Vergleich eingehen.

Das Gerichtsverfahren, eingeleitet durch die nationale Arbeitsbehörde NLRB, wegen der Kündigung von Josh Coleman und der Suspendierung von Ellen Brackeen, begann Anfang diesen Jahres. Wir hatten mehrfach darüber berichtet und auch über den Fall Josh.

Die Arbeitsbehörde NLRB fasste verschiedene Klagen zusammen, ein in den USA äußerst seltener Fall und untersuchte neben den Fällen (Josh / Ellen) in Wichita, weitere Fälle im ganzen Land und stellte fest, dass dies Verhalten seitens TMUS im Wesentlichen im ganzen Land ähnlich gestaltet ist und damit Arbeitnehmerrechte in den Betrieben enorm einschränkt. Diese Verhaltensweisen wurden kontinuierlich wiederholt, trotz der Verpflichtung von T-Mobile im Rahmen anderer NLRB Fälle, künftig nicht gegen das Arbeitsrecht in den Betrieben zu verstoßen.

Ab dem ersten Prozesstag des Verfahrens in Wichita im Februar stellte die Arbeitsbehörde fest, dass TMUS eine zentral gesteuerte Kampagne durchführt, um die Mitarbeiter daran zu hindern, eine gewerkschaftliche Interessenvertretung zu installieren.

Beweise, die im Verfahren in Wichita vorgelegt wurden, zeigten, dass Manager im gesamten Land jede gewerkschaftliche Tätigkeit in so genannten „Dritt-Partei-Berichten“ an den Hauptsitz des Unternehmens nach Bellevue, Washington schicken, von wo aus dann die Gegenmaßnahmen des Unternehmens koordiniert werden. “Außenstehende“, wie die CWA, seien „Drittparteien“. Natürlich ist eine Gewerkschaft weder außenstehend noch Drittpartei. Gewerkschaft und Arbeitnehmer sind „Eins“ und lassen sich auch nicht durch Willkürmaßnahmen auseinanderdividieren. Die Unternehmensmaßnahmen umfassten anti-gewerkschaftliches Management-Training und Antigewerkschaftspropaganda. Die enorme Anzahl dieser „Dritt-Partei-Berichte“ deutet eine unternehmensweite Strategie an, jede Art kollektiver Organisierung im Keim zu ersticken.

In der Zeit des Prozesses haben Josh und Ellen sich nicht einschüchtern und beirren lassen und sich stattdessen öffentlich gewehrt.

Insbesondere der Fall von Josh, der ja auch in Deutschland sehr bekannt war, hat hohe Wellen geschlagen und zu enormen Solidaritätsmaßnahmen deutscher Beschäftigter geführt. Dazu an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank.

Im Vorfeld des Prozesses wurde das Unternehmen dazu gezwungen, tausende Seiten von Unternehmensdokumenten freizugeben. Viele dieser Dokumente beweisen, in welchem Ausmaße T-Mobile jegliche gewerkschaftlichen Aktivitäten beobachtet. Josh und Ellen haben viele Dokumente geprüft und dabei geholfen, Material für das Verfahren aufzubereiten. Beide haben während der ganzen Zeit die Organisierungsbemühungen in ihrem Callcenter in Wichita fortgeführt. .

Der jetzt getroffene Vergleich ist ein Kompromiss. Josh erhält mehr als ein Jahresgehalt und es ist das erste Mal, dass das Unternehmen sich überhaupt bereit erklärt, Lohnnachzahlungen zu leisten.

T- Mobile musste im Fall von Ellen schriftlich erklären, dass die Suspendierung in Zukunft in keiner Weise gegen sie verwendet wird, aus den Akten zu entfernen ist, wie es meist so kurz heißt.

Im Fall Josh, wie meist bei solchen Vergleichen, ist der Arbeitsplatz leider weg. Josh wird nicht wieder eingestellt.

Da Josh in dem Jahr seit der Entlassung kaum noch Einkommen hatte, blieb ihm keine andere Wahl, als das Ergebnis zu akzeptieren. Eine Fortführung des Verfahrens, was wahrscheinlich Jahre gedauert hätte, wäre für ihn wirtschaftlich unzumutbar gewesen und hätte sein Existenz im höchsten Maße gefährdet. Auch wäre ein positiver Ausgang, also Erhalt auch des Arbeitsplatzes, je länger ein solches Verfahren andauert, immer unwahrscheinlicher geworden. Das US-Recht zu verstehen ist für Außenstehende kaum möglich und / oder nachvollziehbar.

Das NLRB Verfahren zu den übrigen Fällen wird in Albuquerque, New Mexico fortgesetzt. Viele Beweise, die aus dem Wichita Fall stammen, einschließlich des Nachweises der kontinuierlichen Überwachung der Beschäftigten durch die Unternehmensführung, im Hinblick auf gewerkschaftliche Aktivitäten, kann für die Strafverfolgung in Albuquerque sehr nützlich werden.

Wir werden auch diese Verfahren sehr aufmerksam beobachten.

Der Fall in Albuquerque betrifft zwei weitere T-Mobile-Beschäftigte, die abgemahnt wurden, nachdem sie als Gewerkschaftsaktivisten identifiziert wurden. Amber Diaz und Josue Urrutia wurden beide gekündigt, nachdem sie sich öffentlich für die Gewerkschaft CWA bekannten. Beide betätigten sich in einer Arbeitsumgebung, die noch schwieriger ist als die in Wichita – da die Vorgesetzten die Beschäftigten ganz offen bezüglich der Folgen einer gewerkschaftlichen Organisierung bedrohten. Darüber hinaus wird das NLRB der Anklage nachgehen, dass Unternehmensmaßnahmen, die im Unternehmenshandbuch beschrieben sind und andere Maßnahmen, die die Arbeitnehmerrechte der Beschäftigten erheblich einschränken, Bundesarbeitsrecht in Albuquerque verletzen.

Dennoch, die CWA und die Beschäftigten werden weiter kontinuierlich ihre gewerkschaftlichen Organisierungsbemühungen fortsetzen.
Wir werden von Deutschland aus diese Bemühungen mit ganzer Kraft weiter verfolgen und unterstützen. Hierzu werden u.a. demnächst weitere Betriebspartnerschaften gebildet.

Die Beschäftigten im Call Center in Springfield erwarten in Kürze im Rahmen der bestehenden Betriebspartnerschaft den Besuch von Kolleginnen und Kollegen aus dem Call Center Brühl.

In den letzten Tagen war eine Delegation aus Charleston in Berlin und hat mit den „Berlinern“, ihren Betriebspartnern, und ver.di, weitere Schritte beraten, um erfolgreich gewerkschaftlich zu organisieren und um den Druck, den das Unternehmen dagegen anwendet, zu brechen.

Die Callcenter Beschäftigten in Albuquerque sind nicht nur mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Bayern verbunden, sondern auch mit AT&T Mobility Beschäftigten in Pueblo, Colorado.

Beschäftigte in den Shops tun sich sowohl in Michigan, Ohio, und Minneapolis im mittleren Westen zusammen als auch in Los Angeles und Sacramento an der Westküste. Der Kampf für alle T-Mobile Mitarbeiter geht weiter.

Mit der Einigung wurde ein gewisses Maß an Wiedergutmachung für Josh und Ellen erlangt – in einem System, dass Arbeitnehmer enorm benachteiligt. Eine große Aufgabe für die amerikanischen Gewerkschaften ist es, das System, das die Arbeitnehmer so enorm benachteiligt, zu reformieren.
Wir werden aus Deutschland heraus, ver.di, Betriebsräte und Beschäftigte, diesen Kampf weiter unterstützen und nicht locker lassen, bis es auch bei der T- Mobile in den USA, mit der CWA, eine Stimme für die Beschäftigten im Betrieb gibt.