Protestaktion auf der IFA: Nicht alles Rosa bei der Telekom

3. September 2012: „Gewerkschaft ist für alle da – auch bei T-Mobile USA“ und „Hey, T-Mobile USA, don’t take workers rights away“. Mit solchen Sprechchören und Transparenten zogen ver.di-Mitglieder am vergangenen Sonnabend durch die Halle der Deutschen Telekom auf der Internationalen Funkausstellung Berlin (IFA). Ihr Protest richtete sich gegen die arbeitnehmerfeindliche Politik der Telekom-Tochter T-Mobile USA. Anlass waren die unverändert schlechten Arbeitsbedingungen in den USA sowie der Kampf des Managements gegen gewerkschaftliche Organisierung.

Zeitgleich tauchten an den zahlreichen Werbe- und Informationsständen in der Telekom-Halle 6.2 Informationsmaterialien auf, die zur Unterstützung der Online-Petition aufriefen und die Situation in den USA erläuterten. Auch auf den interaktiven Bildschirmen in verschiedenen Hallen der IFA sowie auf der Telekom-Bildergalerie fanden sich die Kampagnenslogans „We Expect Better“ und „Nicht alles rosa bei der Telekom“ wieder.

„Wir finden es nicht in Ordnung, dass die Telekom auf der IFA eine schöne Fassade präsentiert, während unseren Kolleginnen und Kollegen in den USA elementare Rechte verweigert werden“, sagte Tomas Lenk, ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender bei der Telekom in Frankfurt/Oder. So würden Beschäftigte mit einem extremen, krank machenden Leistungsdruck und unfairen Schikanen konfrontiert. Missliebige Call-Center-Mitarbeiter etwa würden – unbezahlt – nach Hause geschickt, um Strafarbeiten oder Rechtfertigungsbriefe für angebliche Minderleistung zu schreiben, während im Hintergrund sofortige Kündigung drohe. „Deshalb schließen wir uns der Solidaritätskampagne an: Wir Erwarten Besseres von der Deutschen Telekom“, betonte Lenk.

Die Besucher/innen der Halle reagierten teilweise mit Beifall. Die Aktion erregte großes Interesse der gut vernetzten IFA-Besucher/Innen und tauchte unmittelbar danach auch im Netz auf (siehe z.B. hier), sowie in den Online-Ausgaben verschiedener großer Zeitungen (Welt, Bild, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt, stern).

In einer Botschaft aus den USA kommentierte Larry Cohen, Präsident der US-Kommunikationsgewerkschaft CWA: „Die Beschäftigten von T-Mobile USA sind der Willkür der Vorgesetzten und der Hire-and-Fire-Politik des Unternehmens schutzlos ausgeliefert. Das wird in dem Moment noch schlimmer, wenn sie anfangen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Dieses Verhalten tritt alle Bekenntnisse zur sozialen Verantwortung seitens des Telekom-Managements mit Füßen.“

Trotz vielfacher Gesprächsangebote von ver.di, CWA und des internationalen Dachverbands UNI global union sei die Deutsche Telekom nicht bereit, sich gegenüber Organisierungsinitiativen in den USA zumindest neutral zu verhalten, sondern arbeite weiter mit Spezialisten für „Gewerkschaftsbekämpfung“ zusammen. „Hier ist auch ein Eingreifen der Bundesregierung als größtem Anteilseigner der Telekom gefragt“, fordert Cohen.

Nach der Aktion verschwanden übrigens nicht nur die Flyer der Kampagne „Wir Erwarten Besseres“, sondern das komplette schriftliche Werbematerial von den Ständen der Telekom-Halle. Über die Gründe dieser Reaktion kann man nur mutmaßen.