Schwarzbuch Telekom

Bericht über Verstöße gegen Vereinigungsfreiheit, Menschenrechte und Arbeitsrecht im Ausland

13. Dezember 2013: Immer wieder wurde über Missstände an Arbeitsplätzen von Unternehmen der Deutschen Telekom (DT) im Ausland berichtet. Gewerkschaften, die Beschäftigte in Unternehmen der DT vertreten, und UNI Global Union gingen den Vorwürfen nach und führten eine Befragung von Beschäftigten der Telekom in den USA und Südeuropa durch. Die Ergebnisse wurden Mitte Dezember im Rahmen einer Pressekonferenz in Bonn vorgestellt. An dem Pressegespräch, nahmen Larry Cohen (CWA), Lothar Schröder (ver.di) und Alan Tate (UNI Global Union) teil.

Seit Jahren steht die Deutsche Telekom AG weltweit in der Kritik, in den USA und anderen ausländischen Tochterunternehmen und/oder Beteiligungsgesellschaften mit zum Teil rüden Methoden,

• gewerkschaftliche Vereinigung zu verhindern/behindern,

• gegen internationale Kernarbeitsrechtsnormen (IAO) zu verstoßen,

• gegen OECD-Regelungen/Richtlinien zu handeln,

• den Global Compact der Vereinten Nationen nicht einzuhalten,

• Leitlinienprinzipien „Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen zu missachten,

• die eigenen Sozialcharta außer Acht zu lassen sowie

• selbst gestellte CSR-Regelungen (Corporate Social Responsibility) nicht einzuhalten.

Eine gewerkschaftliche Allianz* aus den Ländern
USA, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Tschechische Republik, Griechenland, Montenegro und Rumänien hat nun eine Befragung unter Beschäftigten durchgeführt, die von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begleitet und unterstützt wurde.

Ergebnisse

Als Hauptkritikpunkte kristallisierten sich folgende Vorwürfe heraus:

Anti-gewerkschaftliches Verhalten: 49% der befragten Beschäftigten sagten, sie glauben, das Unternehmen schult Führungskräfte darin, Gewerkschaften abzuwehren und 67% sagten, dass der Arbeitgeber sich negativ über Gewerkschaften oder deren Ruf äußert.

DT Beschäftigte wollen Gewerkschaften: 72% der Befragten sagten, dass Gewerkschaften und Tarifverträge die beste Möglichkeit für Beschäftigte sei, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. 69% sagten, sie würden einer Gewerkschaft beitreten, gäbe es keine Einmischungen seitens des Arbeitgebers.

Stress und Krankheit: Die häufigsten Beschwerden waren, dass DT Beschäftigte unter körperlichen Symptomen litten, hervorgerufen durch ein hohes Maß an Stress und Angst am Arbeitsplatz; und die Beschäftigten haben nur wenig oder keine Möglichkeiten, diese Probleme anzusprechen, um Arbeitsplatzrisiken zu beheben.

Unsichere Arbeit: 57% der befragten Beschäftigten berichteten, dass sie angehalten werden, Arbeiten durchzuführen, die ihre Gesundheit gefährden. Die Behandlung durch Vorgesetzte und Führungskräfte verschärft den Stress und untergräbt die Arbeitsleistung.

Aggression und Mobbing: Die Beschäftigten beschrieben Angst, Misstrauen und aggressives Verhalten bei der Arbeit. In allen Ländern haben Beschäftigte von Bedrohungen und Mobbing am Arbeitsplatz berichtet. Von denen, die aggressives Verhalten erlebt haben, haben 93% Erfahrungen mit Mobbing gehabt – Gruppendruck, professionelle Verunglimpfung oder Demütigung.

Die Allianz fordert die Telekom auf, mit UNI Global Union als Dachorganisation der beteiligten Gewerkschaften in Gespräche und Verhandlungen zur Beseitigung der Missstände einzutreten.

Forderungen der gewerkschaftlichen Allianz

Die Forderungen der Allianz richten sich darauf, Vereinbarungen abzuschließen zu:

• Respekt und Dialog gegenüber

• Gewerkschaften und Mitarbeitern,

• Vereinigungsfreiheit,

• Führungsstil,

• Auslagerung und Entlassungen,

• Systeme zur Bezahlung, Leistungsmessung/Leistungsauswertung,

• Arbeitsplatzbedingungen,

• Gesundheit und Sicherheit (Arbeitsschutz),

• Plattform zur Meldung von Verstößen,

• Mitarbeiterbefragungen,

• einem globalen Rahmenvertrag,

• einem globalen Betriebsrat („Welt-Betriebsrat“)

Der Bericht ist im Internet zum Download verfügbar.

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*Mitglieder der gewerkschaftlichen Allianz sind:
UNI Global Union, ver.di, CWA (USA), SPPT (Albanien), SHT (Bosnien-Herzegowina), OME-OTE (Griechenland), HST (Kroatien), STCG TUTM (Montenegro), FSCOM (Rumänien), JSTS (Serbien),
OO ROZTYLY (Tschechische Republik)