T-Mobile Beschäftigte gezwungen, unbezahlte Toilettenpausen zu nehmen

10. Mai 2013: T-Mobile und MetroPCS haben die Fusion erfolgreich über die Bühne gebracht und seit dem 1. Mai ist das neue Unternehmen unter dem Namen „T-Mobile US“ an der Börse gelistet. Das Unternehmen feiert sich und den Erfolg mit einer großen Party in New York, nachdem T-Mobile CEO Legere den Börsenstart mit dem Läuten der Glocke an der New Yorker Börse eingeläutet hat.

Dies sind jedoch nicht die einzigen Schlagzeilen, die das Unternehmen derzeit in den USA macht. Kristi Rifkin, eine ehemalige T-Mobile Mitarbeiterin aus Nashville, Tennesssee hat am 25. April einen Beitrag auf dem Blog der populären Elternorganisation Momsrising.org veröffentlicht, in dem sie von ihrer Realität bei T-Mobile berichtete: Kristi wurde während ihrer Schwangerschaft von T-Mobile zu unbezahlten Toilettenpause gezwungen.

Als Kristi mit ihrem zweiten Kind schwanger wurde, war sie 4 Jahre beim T-Mobile Callcenter in Nashville, Tennessee als Kundendienstmitarbeiterin beschäftigt. Sie sagt, sie habe ihren Job geliebt. „Ich hatte meistens eine tolle Zeit bei T-Mobile. Sie haben mich gut behandelt, ich hatte gute Schichten, habe viel Geld verdient und meine Arbeit sehr genossen“, sagt Kristi.

Doch als sie schwanger wurde, änderte sich dies. Sie hatte eine schwierige Risko-Schwangerschaft und musste sehr viel trinken, was wiederum dazu führte, dass sie öfter die Toilette aufsuchen musste. T-Mobile hat dies nicht gern gesehen. T-Mobile sieht es im Allgemeinen nicht gerne, wenn Beschäftigte die Toilette aufsuchen – dies wird bezüglich der Anwesehenheit negativ bewertet. Als sie von ihrem Management unter Druck gesetzt wurde, weniger zur Toilette zu gehen, begann sie weniger zu trinken. Schließlich wollte sie ihren Job und vor allem die Krankenversicherung, die der Job mit sich brachte, nicht aufs Spiel setzen. Das wenige Trinken führte jedoch dazu, dass ihr Baby darunter litt und ihr Arzt verordnete ihr, dass sie ausreichend trinken müsse, um ihr Baby nicht zu gefährden.

Ihr Vorgesetzter bei T-Mobile empfahl ihr, dass sie eine Bestätigung ihres Arztes einholen solle, dass sie aus medizinischen Gründen öfter auf die Toilette müsste und dann würde sie keine Probleme mit ihrer Bewertung bekommen. Kristi dachte zunächst, sie höre nicht richtig. „Meint ihr es ernst damit? Ich soll meinen Arzt fragen, dass er mir eine Bestätigung für Pinkelpausen ausstellt? Das ist eine grundlegende biologische Notwendigkeit!“

Doch sie tat, wie ihr aufgetragen wurde. Nach Vorlage besagter Bestätigung teilte ihr die Personalabteilung von T-Mobile mit, dass sie von nun jederzeit die Toilette aufsuchen könnte –sie müsste sich jedoch jedes Mal über der Stechuhr austragen und nach ihrer Rückkehr wieder einloggen. „Ich wurde damit effektiv nicht für meine Toilettenpausen bezahlt und musste meinen persönlichen Urlaub dafür nutzen“, berichtet Kristi.

Am Ende des Tages musste sie ihren Vorgesetzten eine Liste mit ihren Toilettenpausen vorlegen, die diese dann wiederum mit dem System abglichen, um sicher zu stellen, dass sie sich keinen Vorteil mit den vielen „Pausenzeiten“ verschaffe. Diese erniedrigende, ständige Kontrolle und der immense Druck machten Kristi sehr zu schaffen. Sie sagt, sie wäre buchstäblich zur Toilette gerannt, hätte nicht ausreichend gegessen und getrunken und hatte ständig viel zu hohen Blutdruck. Letztlich schrieb ihr Arzt sie für die letzten 2 Monate ihrer Schwangerschaft krank, um das Baby nicht ernsthaft zu gefährden. Da es in den USA keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt, war sowohl diese Zeit als auch die Auszeit nach der Geburt unbezahlt. „Als ich aufhörte zu arbeiten, war das hart für die ganze Familie und wir wussten eine zeitlang nicht, wie wir unsere Rechnungen bezahlen sollten“, sagt Kristi. „Doch es war die einzige Option für mich und mein Baby und ich musste tun, was am Besten für das Baby war.“

Kristi brachte einen gesunden Sohn zur Welt. 6 Wochen nach ihrer Rückkehr zur Arbeit wurde sie für einen nichtigen Fehler entlassen. Kristi sagt, sie sei nicht verbittert – sie hat einen gesunden Sohn und nur das zähle. Sie hofft, dass sie mit ihrer Geschichte dazu beitragen kann, dass niemand so etwas durchmachen müsse, was sie durchmachen musste.

Kristi’s Blogeintrag hat soviel Aufmerksamheit erregt, dass nun ABC News, einer der größten Sender in den USA ihre Geschichte veröffentlicht hat und weitere Medien haben bereits Interesse bekundet. Zusätzlich treten mehr und mehr Mitarbeiterinnen von T-Mobile, die Ähnliches erleben musste, an die Öffentlichkeit.

Wir hoffen, mit Kristi, dass das neue Unternehmen und die Anteilseigner sich ihre Geschichte zu Herzen nehmen werden und mit dem Neustart auch ein neuer Respekt für die Beschäftigten etabliert wird.