T-Mobile USA: Beispiel für Diskriminierung aufgrund familiärer Verpflichtungen

19. September 2012: Um die eigenen Eltern zu pflegen oder zu betreuen, haben Beschäftigte in den USA ein Recht auf Urlaub, unbezahlten Urlaub. Als Rachel Robinsons Mutter im Jahr 2008 an einen Hirntumor erkrankte, wollte die T-Mobile-Beschäftigte von diesem Recht Gebrauch machen. Nach vier Wochen beantragte sie eine weitere Verlängerung ihres unbezahlten Urlaubs und wurde gekündigt. Sie klagte und einigte sich kurz vor Verhandlungsbeginn außergerichtlich mit der US-Tochter der Deutschen Telekom.

In der New York Times-Ausgabe vom 14. September wird die Geschichte der Mitarbeiterin am T-Mobile-Standort Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee geschildert. Es ist einer von zahllosen Fällen von „Diskriminierung aufgrund familiärer Verpflichtungen“ (family responsibilities discrimination) in den USA.

„Rachel, du musst dich jetzt wirklich zwischen deinem Privat- und deinem Berufsleben entscheiden“. Mit diesen Worten quittierte ein Manager von T-Mobile laut Gerichtsprotokoll den Wunsch der T-Mobile-Beschäftigten, ihren unbezahlten Urlaub zu verlängern. „Du musst eine Linie ziehen“. Binnen drei Tagen kündigten die Manager der Mitarbeiterin, die sie zuvor hoch gelobt und mehrfach befördert hatten. Drei Wochen später starb Rachel Robinsons Mutter.

Auf Nachfrage der New York Times wollte sich T-Mobile nicht zu dem Fall äußern und bekräftigte, die Kündigung sei aus anderen Gründen erfolgt. Mit dem unbezahlten Urlaub habe sie nichts zu tun gehabt. Die University of California hat in einer landesweiten Studie allein 3.000 Gerichtsentscheidungen aufgrund solcher Fälle von Diskriminierung gezählt und geht davon aus, dass die Dunkelziffer noch um ein Vielfaches höher liegt.

Joan C. Williams, Rechtswissenschaftlerin und Autorin der Studie, plädiert daher für klarere gesetzliche Regelungen. Der Fall von Rachel Robinson zeigt zudem, dass Arbeitnehmerrechte in der Praxis oft nur wenig wert sind, wenn es im Betrieb keine gewerkschaftliche Interessenvertretung gibt, die Beschäftigte dabei unterstützt sie durchzusetzen.