Über Belästigung am Arbeitsplatz muss gesprochen werden dürfen!

Aufruf an T-Mobile US findet in den USA 15.000 Unterstützer

30. Oktober 2015: Acht Jahre lang arbeitete eine Frau als Kundendienstmitarbeiterin bei T-Mobile in Maine, bis sie sich an die Personalabteilung wandte, um die sexuelle Belästigung durch ihren Vorgesetzten zu beenden. Statt den Täter zu bestrafen, sanktionierte das Unternehmen die Beschäftigte.

Als die Beschäftigte dem T-Mobile Management mitteilte, dass ihr Vorgesetzter sie unangemessen berührte, ordnete das Unternehmen an, dass sie wieder zur Arbeit zurückkehren sollte, um weiterhin mit dem Vorgesetzten zu arbeiten – und erließ einen Maulkorberlass. Sie wurde vor die „Alternative“ gestellt, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen oder eine Disziplinierungsmaßnahme zu erwarten, falls sie diese Angelegenheit mit ihren Kolleginnen und Kollegen besprechen sollte.

Anstatt sich zum Schweigen bringen zu lassen, ergriff die Beschäftigte die Initiative und kündigte.

Sie wandte sich an ihre Gewerkschaft CWA/TU, und gemeinsam reichten sie Beschwerde bei der amerikanischen Arbeitsbehörde ein. Im Verfahren wurde T-Mobile US für schuldig befunden, die Rechte der Beschäftigten eingeschränkt zu haben, indem ihr ein „Redeverbot“ erteilt wurde. Statt den Täter zu bestrafen, wurde das Opfer sanktioniert. Mit der Sammlung von Unterschriften unter einen Aufruf an T-Mobile wird das Unternehmen aufgefordert, die „Maulkorb-Methoden“ einzustellen und Beschäftigte nicht mehr zum Schweigen zu bringen. Sexuelle Belästigung darf nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Der Gerichtsbeschluss ordnet an, dass T-Mobile US alle Beschäfigten in dem Call Center in Maine darüber informieren muss, dass das Unternehmen diese Politik des Zum-Schweigen-Bringens einstellt und dass Beschäftigte, untereinander wie auch mit Anderen, über ihre Belange, auch über Fälle wie sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, sprechen dürfen. Der Aufruf fordert zudem, dass auch die anderen 46.000 T-Mobile Beschäftigten USA-weit über diese Rechte informiert werden.

In den USA haben 15.000 den Appell unterstützt. Es ist an der Zeit, dass das Unternehmen in den USA den gerichtlichen Anordnungen Folge leistet und die Redefreiheit der Beschäftigten nicht weiter behindert. Bereits im März war ein Gerichtsurteil ergangen, dass das Unternehmen die Redefreiheit der Beschäftigten nicht durch überbreite Arbeitsanweisungen einschränken darf. Denn derlei Anweisungen, so das Gericht, seien dazu geeignet das Recht auf Vereinigungsfreiheit, ein international geschütztes Recht, zu behindern.