US-Delegation zu Besuch in Deutschland

Kooperationen vertieft - neue Kontakte geknüpft

5. Juni 2015: Im Mai reiste eine Delegation der Communications Workers of America (CWA) nach Deutschland, um über Arbeitsbedingungen bei T-Mobile US und das gewerkschaftsfeindliche Vorgehen zu informieren. Mit Politikerinnen und Politikern wurden Gespräche geführt, und der Austausch mit dem langjährigen Kooperationspartner und Gastgeber ver.di wurde gepflegt.

Im Besuchsprogramm stand der Meinungsaustausch mit in der Gewerkschaft verdi organisierten Kolleginnen und Kollegen, die bei der Telekom arbeiten, an mehreren Tagen ganz oben auf der Tagesordnung. Die ver.di-Betriebsgruppe aus Düsseldorf und weitere TU-Partner der Region West (BetriebsrätInnen und ver.di-Betriebsgruppen der DTKS und der TSG) hatten gemeinsam mit Ado Wilhelm, dem Koordinator der Kampagne WE EXPECT BETTER, ein informatives und vielseitiges Programm für den Besuch zusammengestellt.

Vor Ort im Call Center und im Shop - Mitbestimmung ›live‹

Bei dem Besuch eines Call Centers waren die Gäste aus den USA erstaunt über die gute Ausstattung der Arbeitsplätze und verblüfft, als sie hörten, dass die Betriebsräte bei der Gestaltung Mitsprachrechte haben. Die Diskussion brachte für die Call Center Agenten – ob aus den USA oder aus Deutschland – viele neue Informationen und die Einsicht, dass Arbeit auch ganz anders gestaltet sein kann. So vieles hängt davon ab, ob es Mitbestimmungsrechte gibt, die durch die Unternehmensleitung auch respektiert werden. Auch in einem Shop in Köln waren die Arbeitsbedingungen dies- und jenseits des Atlantiks Thema, und die deutschen Kolleginnen und Kollegen waren überrascht, dass vieles, das ihnen selbstverständlich erscheint, bei T-Mobile in den USA erst noch durchgesetzt weren muss. Über die Auskunft, dass man sich in den US-Betrieben nicht krank melden kann, wenn man krank ist, sondern nur, wenn das eigene Arbeitskonto noch mindestens einen Krankentag aufweist, hat die deutschen Kollegen empört.

Einen tieferen Einglick in Grundsätze der Mitbestimmung konnten die TeilnehmerInnen der Delegation in verschiedenen Gesprächen mit ver.di-Vertretern bekommen. Mit Josef (Jupp) Bednarski, Vorsitzender des ver.di-Bundesfachbereichsvorstand TK/IT und GBR-Vorsitzender der DTKS, wurde intensiv über die betrieblichen Mitbestimmungsmöglichkeiten im Konzern Telekom gesprochen. Und auch im Gespräch mit Lothar Schröder stand die Mitbestimmung im Mittelpunkt. Der ver.di-Bundesfachbereichsleiter TK/IT/DV war nach Düsseldorf gereist, um mit der Delegation auch über WE EXPECT BETTER und Möglichkeiten der Unterstützung der TU und der T-Mobile-Beschäftigten zu sprechen. (Foto)

Solidarität vor und bei der Hauptversammlung in Köln

Zur Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG (DTAG) ging es rheinaufwärts nach Köln. Gemeinsam mit den Mitgliedern der ver.di-Jugend und von ver.di-Betriebsgruppen verteilte die US-Delegation Flugblätter. Mit den Flugblättern wurden die AktionärInnen darüber informiert, dass T-Mobile in den USA wegen gewerkschaftsbehindernder Arbeitsanweisungen verurteilt wurde. Zugleich wurde auf der anderen Seite des Flugblatts über die Pläne der Telekom informiert, die Auszubildendenquote abzusenken. Der erst im Mai bestellte Arbeitsdirektor Dr. Christian Illek kam vor die Versammlungshalle, und die ver.di-Jugend übergab eine Liste mit 15.000 Unterschriften, die sie für den Erhalt der bisherigen Ausbildungsquote gesammelt hatte. Illek nutzte die Gelegenheit, die TU-Delegation zu begrüßen und ein paar Worte zu wechseln. Dank der Übertragung von Aktionärsstimmen von Belegschaftsaktionären konnte Kornelia Dubbel den Telekom-Vorstand fragen, wie er auf die Umsetzung des Gerichtsurteils in den USA hinwirken wird. Und wie in den vergangenen Jahren hat auch ein TU-Mitglied aus den USA über die Arbeitsplatzsituation berichtet. Carolina Figueroa berichtete von Kolleginnen und Kollegen, denen wegen gewerkschaftlicher Betätigung gekündigt worden war. Die im Saal Anwesenden hörten ihr konzentriert zu und applaudierten als sie den Vorstandsvorsitzenden fragte, warum er und seine Vorstandskollegen bei den Arbeitsrechtsverletzungen in den USA tatenlos zusehen.

Unterstützung durch Politik

Die DelegationsteilnehmerInnen waren als BotschafterInnen ihrer Kolleginnen und Kollegen von T-Mobile unterwegs. Sie trafen sich mit Politikerinnen und Politikern, um über ihre Situation zu informieren. Sie sprachen mit Landtagsabgeordeten der SPD im Nordrhein-Westfälischen Landtag und informierten darüber, wie T-Mobile alles unternimmt, um eine Gewerkschaftsbildung im Betrieb zu verhindern, sie erzählten Bundestags- und Europaabgeordneten von ihren Arbeitsbedingungen. Die Gesprächspartner waren ohne Ausnahme bestürzt über die nahezu rechtlose Situation der Beschäftigten und empört, dass ein Unternehmen wie die Telekom, das zu großen Teilen im Besitz der Bundesrepublik ist, sich den anti-gewerkschaftlichen Umtrieben im US-Betrieb nicht entgegenstellt. In den Gesprächen erklärten die Abgeordneten spontan, das Anliegen der T-Mobile-Beschäftigten zu unterstützen, dass sie sich frei und ohne Behinderung für eine gewerkschaftliche Vertretung entscheiden können. Die US-Delegation hat diese Botschaft zu den Kolleginnen und Kollegen in die USA mitgenommen. Konkrete Schritte der Unterstützung durch die Politiker werden in den nächsten Wochen besprochen und abgestimmt.
Die Gäste aus den USA haben ein sehr dichtes und informatives Programm absolviert und neue Kontakte geknüpft. Am Rande konnte sich die Delegation nur ein bisschen Zeit für die Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs nehmen und auf einer Bootsfahrt die Rheinlandschaft erkunden.