Ver.di unterstützt die Organisierung von Call-Centern in den USA

5. Juli 2012: Lothar Schröder, Mitglied des ver.di Bundesvorstands, und Deutsche Telekom-Betriebsrat Constantin Greve machten sich vor zwei Wochen auf den Weg in die USA, um ihre Schwestergewerkschaft CWA bei der Organisierung von T-Mobile USA zu unterstützen. Insgesamt vier Wochen lang reisen sie durch das Land, um sich mit Beschäftigten und aktiven Gewerkschaftsmitgliedern zu unterhalten, Flugblätter vor Call-Centern zu verteilen und Hausbesuche bei T-Mobile Beschäftigten durchzuführen.

Lothar Schröder wird zudem nächste Woche an den Tarifverhandlungen einer kleinen Technikereinheit in Connecticut teilnehmen. Constantin Greve wird täglich auf seinem Blog über seine Erlebnisse in den USA berichten.

Zu Beginn ihres Aufenthalts fand ein Treffen von in der Gewerkschaft CWA aktiven T-Mobile Beschäftigten in Washington D.C. statt. Auf diesem Treffen berichteten die Beschäftigten über die Situation in ihren Call-Centern. Nachdem sieben der Call-Center geschlossen haben, nimmt der Druck weiter zu. Es werde stärker in Richtung Verkauf um jeden Preis gedrängt und weniger Wert auf Service gelegt, berichtet eine langjährige Call-Center Mitarbeiterin aus Richmond. Hinzu komme die hohe Lärmbelastung in den Call-Centern.

Ein Kollege aus dem ehemaligen Call-Center in Brownswille fährt nun jeden Tag eineinhalb Stunden nach Mission, um sich und seine drei Kinder zu ernähren. Er ist davon überzeugt, dass eine Gewerkschaft die einzige Möglichkeit ist, um die Beschäftigten vor der Willkür der Managemententscheidungen zu schützen. Als vor vier Monaten sein Sohn auf die Welt kam, hat er diese Willkür selbst erlebt.

Die von ihm eingereichten ärztlichen Unterlagen zur Geburt seines Sohnes, welche sein Fehlen an diesem Tag begründeten, wurden nicht anerkannt. Er wurde sofort suspendiert. Erst im letzten Moment gelang es ihm, den zuständigen Arzt zu erreichen und den Beweis über die Richtigkeit der eingereichten Unterlagen zu erbringen. Sonst würde er jetzt auf der Straße stehen.

Am Mittag telefonierten die Beschäftigten von T-Mobile USA mit Kollegen und Kolleginnen aus Deutschland. Thema der transatlantischen Telefonkonferenz war das Monitoring in den Call-Centern. Großes Staunen erregte der Bericht der deutschen Betriebsräte, dass bei ihnen das Abhören von Telefongesprächen auf zehn Tage im Monat begrenzt sei. Auch die Lärmbelastung sei in den deutschen Call-Centern bedeutend niedriger, seitdem höherwertige Headsets eingeführt wurden.

Die während der Telefonkonferenz eingetroffene Nachricht, dass der CEO von T-Mobile US, Philipp Humm, seinen Posten quittiert hat, wurde gemeinsam sehr postiv aufgenommen, galt Humm doch als einer der Vertreter der gewerkschaftsfeindlichen Linie des Unternehmens.. Es bleibt zu hoffen, dass der Führungswechsel auch zu einem Verhaltenswechsel an der Unternehmensspitze führt. Wir erwarten Besseres!