ver.di unterstützt Verhandlungen mit T-Mobile in Connecticut

19. Juni 2012: Seit über zehn Monaten verhandelt die US-Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA) mit dem Management von T-Mobile USA in Hartford, Connecticut. Auf der Tagesordnung steht ein Tarifvertrag für eine kleine Einheit von 16 Technikern. Es wäre der erste überhaupt bei T-Mobile USA. Für die mittlerweile 8. Verhandlungsrunde verstärkte Ado Wilhelm, Bereichsleiter Telekommunikation bei der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (im Bild 1. v. l.) das Team der CWA.

Nach den Verhandlungen zeigte sich Wilhelm enttäuscht und entsetzt über das Verhalten der T-Mobile-Vertreter: „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass T-Mobile USA, gesteuert von der Deutschen Telekom, überhaupt nicht bereit ist, konstruktiv zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen. Die andere Seite setzt offenbar alles daran, zu keinem Ergebnis zu kommen“.
Das zeige sich an Themen, die eigentlich einfach zu regeln seien, wie z.B. die Aufstellung von Sozialkriterien im Falle von nicht vermeidbaren Entlassungen aus betrieblichen oder wirtschaftlichen Grunden und Wiedereinstellungen, wenn die wirtschaftliche Lage diese wieder zulässt.

Das übliche Kriterium in Tarifverträgen in den USA ist das sogenannte Senioritätsprinzip, also die Dauer der Betriebszugehörigkeit. Dies werde hier vom Management aber ohne inhaltliche Begründung oder ernsthaften Gegenvorschlag zurückgewiesen, vielmehr wollen die Arbeitgeber die einseitige willkürliche Kontrolle über die Entscheidung behalten – wie im Übrigen auch bei den anderen Verhandlungsthemen.

Ein weiteres Beispiel ist ein Aushangkasten für gewerkschaftliche Informationen im Betrieb. Das Unternehmen sage, ja den kriege die Gewerkschaft, behalte sich aber vor, den Schlüssel zu behalten und jede gewerkschaftliche Information vorher zu zensieren – wenn es dem Management nicht passt, bleibe der Schlüssel in der Schublade. „Ein simples Beispiel, welches zeigt, dass hier wirklich unverständliche Sachen passieren.“

Auch beim notwendigen Werkzeug hapert ist – das (Billig-)Werkzeug, das den Technikern zur Verfügung gestellt wird, geht oft kaputt und wird dann nicht effektiv ersetzt. Das führt dazu, dass die Techniker zum Teil selbst Werkzeug kaufen und dann langwierige Formalien durchlaufen müssen, um ihre Auslagen ersetzt zu bekommen. Der Wunsch der Techniker, hier eine bessere Regelung zu finden, wurde mit dem Gegenvorschlag gekontert, sie sollten doch erst einmal eine Liste machen, welches Werkzeug sie eigentlich benötigen.
Ado Wilhelm zusammenfassend: “Das führt ad absurdum, was man eigentlich unter Verhandlungen versteht.” Interessant ist, dass die Verhandlungen federführend von einem Anwalt geführt werden, dessen Kanzlei sich selbst offen als „Gewerkschaftsvermeidungsspezialisten“ anpreist.

„Wir werden das deutsche Management über diese Vorgehensweisen informieren und dringend auffordern, an diesen Verhaltensweisen etwas zu ändern. Unser Vorstandskollege Lothar Schröder beabsichtigt, selbst an der nächsten Verhandlungsrunde teilnehmen, um sich ein Bild über die Situation zu machen. Wir erwarten Besseres von der Deutschen Telekom, faires Verhalten – wir haben auch in Deutschland Konflikte, aber wir gehen trotzdem respektvoll miteinander um, und das erwarten wir auch von T-Mobile in den USA“.

Weitere Informationen zu den Verhandlungen in Connecticut:

Interview mit Ado Wilhelm via Skype

CONNECTICUT: ERST VERHINDERUNG, DANN VERZÖGERUNG